Manchmal gibt es Aha-Effekte im Leben, die immer dann auftreten, wenn ich eine Innovation sehe und weiß: Das wird einschlagen und in Zukunft unser Leben verändern. Ein Beispiel hierfür war ganz klar das MP3-Format. Das erste Mal sah ich MP3s auf einer Netzwerk-Party (Lans waren für uns damals nur komische Typen...) in den 1990er-Jahren, Song 2 von Blur war das erste Lied, was ich hörte. Mir war schlagartig klar, dass dieses Format den Musikkonsum schlagartig ändern wird. Diese Erkenntnis kam fast einer Epiphanie gleich.
Vergleichbar war dies mit der Entdeckung, dass amazon.de englischsprachige Bücher ohne Versandkosten an mich verschickt. Was ein herrlicher Umstand. Mitte der 1990er begann ich die Discworld-Romane von Terry Pratchett zu lesen. Irgendwann war ich mit der letzten deutschsprachigen Veröffentlichung fertig und wollte mehr. Vor Amazon hieß es irgendwoher die ISBN-Nummer zu besorgen (die Suchfunktion der Buchhändler war mies), zum Buchladen watscheln, das Buch bestellen, warten, das Buch abholen, lesen. Ich verkläre zwar auch gerne die Vergangenheit, aber diese Vorgehensweise ist nicht wirklich toll, es sei denn der Besteller nutzt die Zeit, um sich mit einer netten Buchverkäuferin zu unterhalten oder im Buchsortiment zu stöbern - kurz: der Bestellvorgang als Freizeitbeschäftigung.
Aber mal im Ernst: Für 90% ist dies einfach nur ein leidiger Zeitfaktor und deswegen begrüßte ich die Internet-Entwicklung hier sehr. Besonders vor dem Hintergrund, dass in den kleinen Buchläden meiner kleinen Heimatstadt englischsprachige Bücher überhaupt keine Rolle spielten. Um doch ein paar wenige durchzustöbern, musste ich schon in die Mayersche Buchhandlung nach Aachen fahren, eine Tour, die ich oft und gerne unternommen habe, da es für mich als Nerd allgemein im 60.000-Einwohner-Stolberg wenig Möglichkeiten gab, an Material zu kommen.
Amazon eröffnete nun die Möglichkeit, im englischen/amerikanischen Buchmarkt zu stöbern. Eine großartige Sache. So kam ich an Buch-Empfehlungen, die damals einfach nicht auf meinem Radar standen, wenn ich nicht zufällig einen Artikel darüber in einer Zeitschrift von einem ambitionierten Redakteur gelesen hätte. Das Internet als Empfehlungs-Maschinerie war noch sehr klein, deswegen erfüllten auch Computer-Spiele-Zeitschriften einen allgemeinen Medienauftrag: Neben den Spielen wurde ständig Nachhilfe in “Nerd Lore” gegeben, egal ob es um Bücher, Filme, Comics oder andere Medienformen ging. Zumindest war dies in den Zeitschriften so, die ich las (PowerPlay, Video Games). Die PCGames war eigentlich, seit ich diese kannte, ein reinrassiges Spielemag, da fehlte mir als echter Rheinländer allerdings etwas “Jeföööhl”.
Nun konnte ich mich also direkt über Titel informieren; das “Sie könnte vielleicht noch interessieren” nahm ich nicht als Werbung wahr, sondern wirklich eher als Empfehlung. Trotzdem gehörte ich natürlich noch zu einer Minderheit. Bücher werden natürlich lieber in der jeweiligen Muttersprache gelesen, was ja auch ok ist. Es gibt so viele gute Übersetzer und Übersetzungen da draußen, dass nicht das gleiche Problem besteht wie bspw. bei Synchronisationen von ausländischen Filmen und Serien, die viel von der Atmosphäre des Gesamtkunstwerks Film wegnehmen. Ich habe für mich einmal entschieden, dass ich, wenn ich die Möglichkeit habe, Bücher im Original lesen werde. Da ich neben Deutsch dies nur in Englisch kann, ist dies nun einmal so. (In letzer Zeit müsste ich dazu noch russisch lernen, eine Literaturwelt, die ich jetzt erst entdecke, die sich aber richtig lohnt, egal ob Klassiker oder moderne Werke).
Die Entwicklung ging natürlich relativ langsam vonstatten. Das Internet entwickelte sich natürlich im Gegensatz zu anderen Innovationen rasend schnell. Doch eigentlich musste die Verlagslandschaft gar nicht so richtig reagieren, bis vielleicht vor ein-zwei Jahren. Trotzdem hätte sie es mal lieber: Deutsche Übersetzungen von amerikanischen Titeln krankten nicht einmal an einer schlechten Qualität, sondern vielmehr an einer zu großen Zeitspanne zwischen Erscheingsdatum des Originals und der Übersetzung und zudem an einem Umstand, den ich wirklich pervers fand und noch immer finde. Deutsche Verlage habe es sich scheinbar zum Standard gesetzt, amerikanische Fantasyliteratur aufzusplitten. So geschehen bei “Wheel of Time”, “Sword of Truth” und auch bei “Song of Ice and Fire”.
Ja, so können Sie natürlich doppelt Geld verdienen, doch ich als Leser muss für die Hälfte des Lesespaßes oftmals sogar mehr bezahlen, als für das amerikanische ganze Original (wenn der Dollarpreis mal wieder günstig ist...). Zudem ist der geneigt Nerd ganz schnell in der Bredouille, dass er immer ein wenig außerhalb des eigentlichen Zyklus steht. Natürlich wird in internationalen Diskussionen immer Bezug auf den Original-Titel genommen. Ein Gespräch mit Lesern der deutschen Variante geht dann oft so vonstatten:
Übersetzungsleser: “Ja, weißt du noch als X in Band 7 das gemacht hat?”
Moi: “Band 7? Es sind doch gerade erst vier Bände draußen?”
Ü.: “In deutschen Bänden...”
Das Kind ist in den Brunnen gefallen, Verwirrung ist gestiftet. Davon abgesehen finde ich es befremdlich, ein einheitliches, literarisches Werk so auseinander zu reißen und mitunter auch zeitlich versetzt zu veröffentlichen. Dass die Verlage es nicht bei Harry Potter gemacht haben, wundert mich da eher. Gut für den Zauberlehrling!
Diese Zeiten gehen aber nun zusehends vorbei und die Verlage müssen sich der Globalisierung stellen, endgültig! Jetzt gerade befindet sich die englischsprachige Ausgabe der ersten Vier “Song of Ice and Fire”-Teile auf Platz zehn der Amazon-Verkaufscharts. Nicht nur für die englischsprachigen Bücher, sondern für alle. Das neue Buch “A Dance with Dragons” ist auf Platz 15. Vorne sind natürlich die üblichen schnarchigen Schweden-Krimis, aber das ist etwas für einen anderen Blogpost. Trotzdem: Da geht den deutschen Verlagen richtig viel Geld durch die Lappen, denn mit Amazon wird mittlerweile der Großteils des Umsatzes generiert.
Was bedeutet dies? Der Leser möchte das Buch am Erscheinungsdatum in den Händen halten und lesen. Er möchte natürlich Teil dieser gigantischen Hype-Maschine des Internets sein. Wenn er auf die deutsche Übersetzung wartet, so fällt er ganz einfach hinter rüber und muss sich zudem gegen spoilende Freunde zur Wehr setzen. Spoilende Freunde! Eine der schlimmsten Plagen überhaupt!
Der neunte Band (deutsche Zählung) von “Ice and Fire” ist bisher nicht einmal angekündigt, geschweige denn der Zehnte. Mit jedem Tag der vergeht, wandern potentielle Leser zum englischen Original. Es werden auch immer mehr werden, denn das englischesSprachverständnis wird immer besser - trotz aller Unkenrufe über die achsoschlechteschulbildungundüberhauptbedankt!
Amazon hat dies begriffen und behandelt verschiedensprachige Bücher global gleich. Die Globalisierung geht sogar soweit, dass deutsche Leser den neuen Band “A Dance with Dragons” sogar vor den Amerikanern in den Händen hielten. Amazon orientierte sich hier an der jeweiligen Zeitzone und setzte nicht die Ami-Zeit als Voraussetzung. Ich hätte den Band ab 0:00 herunterladen können. Nach dem Aufstehen beschwerten sich einige Amis noch über Twitter, dass ihnen das nicht möglich wäre.
Die Lösung des Problems: Es muss mehr in die prompte Übersetzung und zeitgleiche Veröffentlichung mit dem Original investiert werden, sodass dies parallel geschieht, analog zu Weltpremieren von Kino-Blockbustern. Denn sonst wird den gebeutelten deutschen Verlagen, die ja eh Entwicklungen immer ein wenig hinter her hinken, sukzessive Umsatz wegbrechen. In den letzten Jahren waren es bestimmt nur Klecker-Beträge, aber die werden auch steigen. Ob sie es sich dann allerdings noch leisten können, die Bände aufzusplitten? Ich bezweifle es.
Disclaimer: Ja, der Text hört sich Stellenweise wirklich wie Amazon-Werbung an. Leider bekomme ich von denen nichts, obwohl ich mich natürlich über Kindle-Gutscheine sehr freuen würde... ähem... :P Nein, in Deutschland gibt es leider keine Alternative zu Amazon wie z.B. Barnes & Nobles in Amiland. Wir haben auf der einen Seite die großen Buchhändler Thalia, Mayersche, Hugendubel et. al. und dann Amazon. Mehr ist nicht im Internetmarkt. Aber das ist wieder mal ein Thema für einen neuen Blogpost. :)
Vergleichbar war dies mit der Entdeckung, dass amazon.de englischsprachige Bücher ohne Versandkosten an mich verschickt. Was ein herrlicher Umstand. Mitte der 1990er begann ich die Discworld-Romane von Terry Pratchett zu lesen. Irgendwann war ich mit der letzten deutschsprachigen Veröffentlichung fertig und wollte mehr. Vor Amazon hieß es irgendwoher die ISBN-Nummer zu besorgen (die Suchfunktion der Buchhändler war mies), zum Buchladen watscheln, das Buch bestellen, warten, das Buch abholen, lesen. Ich verkläre zwar auch gerne die Vergangenheit, aber diese Vorgehensweise ist nicht wirklich toll, es sei denn der Besteller nutzt die Zeit, um sich mit einer netten Buchverkäuferin zu unterhalten oder im Buchsortiment zu stöbern - kurz: der Bestellvorgang als Freizeitbeschäftigung.
Aber mal im Ernst: Für 90% ist dies einfach nur ein leidiger Zeitfaktor und deswegen begrüßte ich die Internet-Entwicklung hier sehr. Besonders vor dem Hintergrund, dass in den kleinen Buchläden meiner kleinen Heimatstadt englischsprachige Bücher überhaupt keine Rolle spielten. Um doch ein paar wenige durchzustöbern, musste ich schon in die Mayersche Buchhandlung nach Aachen fahren, eine Tour, die ich oft und gerne unternommen habe, da es für mich als Nerd allgemein im 60.000-Einwohner-Stolberg wenig Möglichkeiten gab, an Material zu kommen.
Amazon eröffnete nun die Möglichkeit, im englischen/amerikanischen Buchmarkt zu stöbern. Eine großartige Sache. So kam ich an Buch-Empfehlungen, die damals einfach nicht auf meinem Radar standen, wenn ich nicht zufällig einen Artikel darüber in einer Zeitschrift von einem ambitionierten Redakteur gelesen hätte. Das Internet als Empfehlungs-Maschinerie war noch sehr klein, deswegen erfüllten auch Computer-Spiele-Zeitschriften einen allgemeinen Medienauftrag: Neben den Spielen wurde ständig Nachhilfe in “Nerd Lore” gegeben, egal ob es um Bücher, Filme, Comics oder andere Medienformen ging. Zumindest war dies in den Zeitschriften so, die ich las (PowerPlay, Video Games). Die PCGames war eigentlich, seit ich diese kannte, ein reinrassiges Spielemag, da fehlte mir als echter Rheinländer allerdings etwas “Jeföööhl”.
Nun konnte ich mich also direkt über Titel informieren; das “Sie könnte vielleicht noch interessieren” nahm ich nicht als Werbung wahr, sondern wirklich eher als Empfehlung. Trotzdem gehörte ich natürlich noch zu einer Minderheit. Bücher werden natürlich lieber in der jeweiligen Muttersprache gelesen, was ja auch ok ist. Es gibt so viele gute Übersetzer und Übersetzungen da draußen, dass nicht das gleiche Problem besteht wie bspw. bei Synchronisationen von ausländischen Filmen und Serien, die viel von der Atmosphäre des Gesamtkunstwerks Film wegnehmen. Ich habe für mich einmal entschieden, dass ich, wenn ich die Möglichkeit habe, Bücher im Original lesen werde. Da ich neben Deutsch dies nur in Englisch kann, ist dies nun einmal so. (In letzer Zeit müsste ich dazu noch russisch lernen, eine Literaturwelt, die ich jetzt erst entdecke, die sich aber richtig lohnt, egal ob Klassiker oder moderne Werke).
Die Entwicklung ging natürlich relativ langsam vonstatten. Das Internet entwickelte sich natürlich im Gegensatz zu anderen Innovationen rasend schnell. Doch eigentlich musste die Verlagslandschaft gar nicht so richtig reagieren, bis vielleicht vor ein-zwei Jahren. Trotzdem hätte sie es mal lieber: Deutsche Übersetzungen von amerikanischen Titeln krankten nicht einmal an einer schlechten Qualität, sondern vielmehr an einer zu großen Zeitspanne zwischen Erscheingsdatum des Originals und der Übersetzung und zudem an einem Umstand, den ich wirklich pervers fand und noch immer finde. Deutsche Verlage habe es sich scheinbar zum Standard gesetzt, amerikanische Fantasyliteratur aufzusplitten. So geschehen bei “Wheel of Time”, “Sword of Truth” und auch bei “Song of Ice and Fire”.
Ja, so können Sie natürlich doppelt Geld verdienen, doch ich als Leser muss für die Hälfte des Lesespaßes oftmals sogar mehr bezahlen, als für das amerikanische ganze Original (wenn der Dollarpreis mal wieder günstig ist...). Zudem ist der geneigt Nerd ganz schnell in der Bredouille, dass er immer ein wenig außerhalb des eigentlichen Zyklus steht. Natürlich wird in internationalen Diskussionen immer Bezug auf den Original-Titel genommen. Ein Gespräch mit Lesern der deutschen Variante geht dann oft so vonstatten:
Übersetzungsleser: “Ja, weißt du noch als X in Band 7 das gemacht hat?”
Moi: “Band 7? Es sind doch gerade erst vier Bände draußen?”
Ü.: “In deutschen Bänden...”
Das Kind ist in den Brunnen gefallen, Verwirrung ist gestiftet. Davon abgesehen finde ich es befremdlich, ein einheitliches, literarisches Werk so auseinander zu reißen und mitunter auch zeitlich versetzt zu veröffentlichen. Dass die Verlage es nicht bei Harry Potter gemacht haben, wundert mich da eher. Gut für den Zauberlehrling!
Diese Zeiten gehen aber nun zusehends vorbei und die Verlage müssen sich der Globalisierung stellen, endgültig! Jetzt gerade befindet sich die englischsprachige Ausgabe der ersten Vier “Song of Ice and Fire”-Teile auf Platz zehn der Amazon-Verkaufscharts. Nicht nur für die englischsprachigen Bücher, sondern für alle. Das neue Buch “A Dance with Dragons” ist auf Platz 15. Vorne sind natürlich die üblichen schnarchigen Schweden-Krimis, aber das ist etwas für einen anderen Blogpost. Trotzdem: Da geht den deutschen Verlagen richtig viel Geld durch die Lappen, denn mit Amazon wird mittlerweile der Großteils des Umsatzes generiert.
Was bedeutet dies? Der Leser möchte das Buch am Erscheinungsdatum in den Händen halten und lesen. Er möchte natürlich Teil dieser gigantischen Hype-Maschine des Internets sein. Wenn er auf die deutsche Übersetzung wartet, so fällt er ganz einfach hinter rüber und muss sich zudem gegen spoilende Freunde zur Wehr setzen. Spoilende Freunde! Eine der schlimmsten Plagen überhaupt!
Der neunte Band (deutsche Zählung) von “Ice and Fire” ist bisher nicht einmal angekündigt, geschweige denn der Zehnte. Mit jedem Tag der vergeht, wandern potentielle Leser zum englischen Original. Es werden auch immer mehr werden, denn das englischesSprachverständnis wird immer besser - trotz aller Unkenrufe über die achsoschlechteschulbildungundüberhauptbedankt!
Amazon hat dies begriffen und behandelt verschiedensprachige Bücher global gleich. Die Globalisierung geht sogar soweit, dass deutsche Leser den neuen Band “A Dance with Dragons” sogar vor den Amerikanern in den Händen hielten. Amazon orientierte sich hier an der jeweiligen Zeitzone und setzte nicht die Ami-Zeit als Voraussetzung. Ich hätte den Band ab 0:00 herunterladen können. Nach dem Aufstehen beschwerten sich einige Amis noch über Twitter, dass ihnen das nicht möglich wäre.
Die Lösung des Problems: Es muss mehr in die prompte Übersetzung und zeitgleiche Veröffentlichung mit dem Original investiert werden, sodass dies parallel geschieht, analog zu Weltpremieren von Kino-Blockbustern. Denn sonst wird den gebeutelten deutschen Verlagen, die ja eh Entwicklungen immer ein wenig hinter her hinken, sukzessive Umsatz wegbrechen. In den letzten Jahren waren es bestimmt nur Klecker-Beträge, aber die werden auch steigen. Ob sie es sich dann allerdings noch leisten können, die Bände aufzusplitten? Ich bezweifle es.
Disclaimer: Ja, der Text hört sich Stellenweise wirklich wie Amazon-Werbung an. Leider bekomme ich von denen nichts, obwohl ich mich natürlich über Kindle-Gutscheine sehr freuen würde... ähem... :P Nein, in Deutschland gibt es leider keine Alternative zu Amazon wie z.B. Barnes & Nobles in Amiland. Wir haben auf der einen Seite die großen Buchhändler Thalia, Mayersche, Hugendubel et. al. und dann Amazon. Mehr ist nicht im Internetmarkt. Aber das ist wieder mal ein Thema für einen neuen Blogpost. :)




