Freitag, 15. Juli 2011

Globalisierung der Verlagswelt - Der späte deutsche Michel

Manchmal gibt es Aha-Effekte im Leben, die immer dann auftreten, wenn ich eine Innovation sehe und weiß: Das wird einschlagen und in Zukunft unser Leben verändern. Ein Beispiel hierfür war ganz klar das MP3-Format. Das erste Mal sah ich MP3s auf einer Netzwerk-Party (Lans waren für uns damals nur komische Typen...) in den 1990er-Jahren, Song 2 von Blur war das erste Lied, was ich hörte. Mir war schlagartig klar, dass dieses Format den Musikkonsum schlagartig ändern wird. Diese Erkenntnis kam fast einer Epiphanie gleich.

Vergleichbar war dies mit der Entdeckung, dass amazon.de englischsprachige Bücher ohne Versandkosten an mich verschickt. Was ein herrlicher Umstand. Mitte der 1990er begann ich die Discworld-Romane von Terry Pratchett zu lesen. Irgendwann war ich mit der letzten deutschsprachigen Veröffentlichung fertig und wollte mehr. Vor Amazon hieß es irgendwoher die ISBN-Nummer zu besorgen (die Suchfunktion der Buchhändler war mies), zum Buchladen watscheln, das Buch bestellen, warten, das Buch abholen, lesen. Ich verkläre zwar auch gerne die Vergangenheit, aber diese Vorgehensweise ist nicht wirklich toll, es sei denn der Besteller nutzt die Zeit, um sich mit einer netten Buchverkäuferin zu unterhalten oder im Buchsortiment zu stöbern - kurz: der Bestellvorgang als Freizeitbeschäftigung.

Aber mal im Ernst: Für 90% ist dies einfach nur ein leidiger Zeitfaktor und deswegen begrüßte ich die Internet-Entwicklung hier sehr. Besonders vor dem Hintergrund, dass in den kleinen Buchläden meiner kleinen Heimatstadt englischsprachige Bücher überhaupt keine Rolle spielten. Um doch ein paar wenige durchzustöbern, musste ich schon in die Mayersche Buchhandlung nach Aachen fahren, eine Tour, die ich oft und gerne unternommen habe, da es für mich als Nerd allgemein im 60.000-Einwohner-Stolberg wenig Möglichkeiten gab, an Material zu kommen.

Amazon eröffnete nun die Möglichkeit, im englischen/amerikanischen Buchmarkt zu stöbern. Eine großartige Sache. So kam ich an Buch-Empfehlungen, die damals einfach nicht auf meinem Radar standen, wenn ich nicht zufällig einen Artikel darüber in einer Zeitschrift von einem ambitionierten Redakteur gelesen hätte. Das Internet als Empfehlungs-Maschinerie war noch sehr klein, deswegen erfüllten auch Computer-Spiele-Zeitschriften einen allgemeinen Medienauftrag: Neben den Spielen wurde ständig Nachhilfe in “Nerd Lore” gegeben, egal ob es um Bücher, Filme, Comics oder andere Medienformen ging. Zumindest war dies in den Zeitschriften so, die ich las (PowerPlay, Video Games). Die PCGames war eigentlich, seit ich diese kannte, ein reinrassiges Spielemag, da fehlte mir als echter Rheinländer allerdings etwas “Jeföööhl”.

Nun konnte ich mich also direkt über Titel informieren; das “Sie könnte vielleicht noch interessieren” nahm ich nicht als Werbung wahr, sondern wirklich eher als Empfehlung. Trotzdem gehörte ich natürlich noch zu einer Minderheit. Bücher werden natürlich lieber in der jeweiligen Muttersprache gelesen, was ja auch ok ist. Es gibt so viele gute Übersetzer und Übersetzungen da draußen, dass nicht das gleiche Problem besteht wie bspw. bei Synchronisationen von ausländischen Filmen und Serien, die viel von der Atmosphäre des Gesamtkunstwerks Film wegnehmen. Ich habe für mich einmal entschieden, dass ich, wenn ich die Möglichkeit habe, Bücher im Original lesen werde. Da ich neben Deutsch dies nur in Englisch kann, ist dies nun einmal so. (In letzer Zeit müsste ich dazu noch russisch lernen, eine Literaturwelt, die ich jetzt erst entdecke, die sich aber richtig lohnt, egal ob Klassiker oder moderne Werke).

Die Entwicklung ging natürlich relativ langsam vonstatten. Das Internet entwickelte sich natürlich im Gegensatz zu anderen Innovationen rasend schnell. Doch eigentlich musste die Verlagslandschaft gar nicht so richtig reagieren, bis vielleicht vor ein-zwei Jahren. Trotzdem hätte sie es mal lieber: Deutsche Übersetzungen von amerikanischen Titeln krankten nicht einmal an einer schlechten Qualität, sondern vielmehr an einer zu großen Zeitspanne zwischen Erscheingsdatum des Originals und der Übersetzung und zudem an einem Umstand, den ich wirklich pervers fand und noch immer finde. Deutsche Verlage habe es sich scheinbar zum Standard gesetzt, amerikanische Fantasyliteratur aufzusplitten. So geschehen bei “Wheel of Time”, “Sword of Truth” und auch bei “Song of Ice and Fire”.

Ja, so können Sie natürlich doppelt Geld verdienen, doch ich als Leser muss für die Hälfte des Lesespaßes oftmals sogar mehr bezahlen, als für das amerikanische ganze Original (wenn der Dollarpreis mal wieder günstig ist...). Zudem ist der geneigt Nerd ganz schnell in der Bredouille, dass er immer ein wenig außerhalb des eigentlichen Zyklus steht. Natürlich wird in internationalen Diskussionen immer Bezug auf den Original-Titel genommen. Ein Gespräch mit Lesern der deutschen Variante geht dann oft so vonstatten:

Übersetzungsleser: “Ja, weißt du noch als X in Band 7 das gemacht hat?”

Moi: “Band 7? Es sind doch gerade erst vier Bände draußen?”

Ü.: “In deutschen Bänden...”

Das Kind ist in den Brunnen gefallen, Verwirrung ist gestiftet. Davon abgesehen finde ich es befremdlich, ein einheitliches, literarisches Werk so auseinander zu reißen und mitunter auch zeitlich versetzt zu veröffentlichen. Dass die Verlage es nicht bei Harry Potter gemacht haben, wundert mich da eher. Gut für den Zauberlehrling!

Diese Zeiten gehen aber nun zusehends vorbei und die Verlage müssen sich der Globalisierung stellen, endgültig! Jetzt gerade befindet sich die englischsprachige Ausgabe der ersten Vier “Song of Ice and Fire”-Teile auf Platz zehn der Amazon-Verkaufscharts. Nicht nur für die englischsprachigen Bücher, sondern für alle. Das neue Buch “A Dance with Dragons” ist auf Platz 15. Vorne sind natürlich die üblichen schnarchigen Schweden-Krimis, aber das ist etwas für einen anderen Blogpost. Trotzdem: Da geht den deutschen Verlagen richtig viel Geld durch die Lappen, denn mit Amazon wird mittlerweile der Großteils des Umsatzes generiert.

Was bedeutet dies? Der Leser möchte das Buch am Erscheinungsdatum in den Händen halten und lesen. Er möchte natürlich Teil dieser gigantischen Hype-Maschine des Internets sein. Wenn er auf die deutsche Übersetzung wartet, so fällt er ganz einfach hinter rüber und muss sich zudem gegen spoilende Freunde zur Wehr setzen. Spoilende Freunde! Eine der schlimmsten Plagen überhaupt!

Der neunte Band (deutsche Zählung) von “Ice and Fire” ist bisher nicht einmal angekündigt, geschweige denn der Zehnte. Mit jedem Tag der vergeht, wandern potentielle Leser zum englischen Original. Es werden auch immer mehr werden, denn das englischesSprachverständnis wird immer besser - trotz aller Unkenrufe über die achsoschlechteschulbildungundüberhauptbedankt!

Amazon hat dies begriffen und behandelt verschiedensprachige Bücher global gleich. Die Globalisierung geht sogar soweit, dass deutsche Leser den neuen Band “A Dance with Dragons” sogar vor den Amerikanern in den Händen hielten. Amazon orientierte sich hier an der jeweiligen Zeitzone und setzte nicht die Ami-Zeit als Voraussetzung. Ich hätte den Band ab 0:00 herunterladen können. Nach dem Aufstehen beschwerten sich einige Amis noch über Twitter, dass ihnen das nicht möglich wäre.

Die Lösung des Problems: Es muss mehr in die prompte Übersetzung und zeitgleiche Veröffentlichung mit dem Original investiert werden, sodass dies parallel geschieht, analog zu Weltpremieren von Kino-Blockbustern. Denn sonst wird den gebeutelten deutschen Verlagen, die ja eh Entwicklungen immer ein wenig hinter her hinken, sukzessive Umsatz wegbrechen. In den letzten Jahren waren es bestimmt nur Klecker-Beträge, aber die werden auch steigen. Ob sie es sich dann allerdings noch leisten können, die Bände aufzusplitten? Ich bezweifle es.

Disclaimer: Ja, der Text hört sich Stellenweise wirklich wie Amazon-Werbung an. Leider bekomme ich von denen nichts, obwohl ich mich natürlich über Kindle-Gutscheine sehr freuen würde... ähem... :P Nein, in Deutschland gibt es leider keine Alternative zu Amazon wie z.B. Barnes & Nobles in Amiland. Wir haben auf der einen Seite die großen Buchhändler Thalia, Mayersche, Hugendubel et. al. und dann Amazon. Mehr ist nicht im Internetmarkt. Aber das ist wieder mal ein Thema für einen neuen Blogpost. :)


Montag, 11. Juli 2011

A Dance with Dragons - Die Vorfreude ist gar groß!


Morgen ist es soweit: Der fünfte “Song Of Ice and Fire”-Roman erscheint. Nach jahrelangem Warten nun endlich die Fortsetzung der - meiner Meinung nach - besten aktuellen Fantasy-Reihe. Der gute, alte George hat offensichtlich erreicht, dass der Knoten, den er selbst vertäut hat, nun enzerrt worden ist. Wichtig, denn die verschiedenen Handlungsstränge, um die kämpfenden Westerosis müssen unbedingt nun auf ein Ziel hinauslaufen. Die Ouvertüre ist zwar schon seit Band Zwei vorbei, nur befinden wir uns gerade noch im zweiten Akt. “Dance With Dragons” müsste hier den Abschluss darstellen und langsam auf die finale Auseinandersetzung ausgerichtet werden. Ich freue mich.

Ich für meinen Teil, werde morgen früh meinen Kindle anschmeißen, hoffentlich das Buch herunterladen können (Wird sich wohl nach amerikanischer Zeit richten, hoffentlich nicht Pacific Time) und auf eine Verspätung der Bahn hoffen.

Und George: Bitte die Leser danach nicht so lange warten lassen. Du bist auch nicht mehr der Jüngste!

Sonntag, 10. Juli 2011

Perry Rhodan - Ein “guilty pleasure”?

Eigentlich schade: Da gibt es eine Science Fiction-Serie die länger und ausdauernder läuft als Star Trek, Star Wars und überhaupt, die zusätzlich noch aus Deutschland kommt und ihr wird nicht die gebührende Aufmerksamkeit angediehen. Armer Perry Rhodan, du Unsterblicher und Sofort-Umschalter. Was ein Schicksal!

Nun, ich denke, eine Serie hat es sicherlich schwer, wenn sie (fast) nur auf eine Art und Weise konsumiert werden kann, nämlich in schriftlicher Form. Dazu stehen die wöchentlich erscheinenden Heftchen auch noch neben den ganzen Doktor-Schundromanen in der Bahnhofsbuchhandlung. Ein Ort, wo sich der interessierte Nerd eigentlich eher selten hin verirrt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sie ja aus dem spießigen Deutschland kommen. Auch wenn stets über Amerika oder das Amerikanische gelästert wird, so scheint es doch als cooles Kriterium manchmal doch zu zählen (Bzw. Japan mit den traditionsreichen Tentakel-Mangas, Hentais, was auch immer... Kawai!).

Aber räumen wir das einmal weg und gehen zu den ganzen Sachen, die Perry Rhodan richtig macht und was ein Neuleser beachten sollte. Vorneweg: Ich bin ein Frischling. Absolut. Bis auf die Europa-Hörspiele und das letzte Adventure-Computer-Spiel (das mich gar nicht von den Socken gerissen hat) habe ich Perry Rhodan in meinen 29 Jahren noch nie gelesen bzw. konsumiert. Erst ein Hinweis eines lieben Freundes, dass nun der neue Zyklus beginnen würde, ließ mich Perry einmal testen.

Nach anfänglicher Skepsis war ich aber schnell recht begeistert. Das Perryversum ist riesig und Einsteiger können leicht überfordert sein. Denen empfehle ich, die ersten Hörspiele einmal zu konsumieren, so bekommt man schnell einen Überblick über die Hauptcharaktere, die noch immer eine tragende Rolle spielen (3000 Jahre sind seit dem ersten Heftroman vergangen). Jede Woche kommt ein Heft raus und das schon seit 50 Jahren, eine stramme Leistung. 1,95€ kann man sich auch einmal in der Woche leisten, vergleichbar mit einer Micky Maus, damals in der Kindheit.

Wie würde ich Perry Rhodan jetzt in der Science Fiction-Welt einordnen? In der jetzt kurzen Zeit würde ich das Niveau der Perry-Romane relativ weit oben verordnen. Von der Sprache zwar ein wenig naiv geschrieben (wirklich nur ein wenig), was aber je nach Autor variiert, so scheinen die Geschichten, Orte, Charaktere, Alien-Rassen, technologisch sehr weit fortgeschritten zu sein. In der Fantasy gibt es da eine schöne (Pseudo-)Einteilung, die zwischen High- und Low-Fantasy. Dies sind keine Qualitätsmerkmale, sondern vielmehr Begrifflichkeiten je nach Grad der Fantastik - zumindest wenn die übliche Definition von deutschen Pen&Paper-Rollenspielern herangezogen wird. (Und wie wir alle wissen, sind diese ja über alle Zweifel erhaben, zumindest, was die Habermas-gleiche Diskussionfähigkeit angeht, wenn gelöst werden muss wie sich die angenommen Stärke eines Fulminictus Donnerkeils im Limbus mit hinter dem Rücken verbundenen Armen verhält.)

Low Fantasy würde eine Welt beschreiben, in der Magie eine eher untergeordnete Rolle einnimmt, in der es weniger fantastische Orte zu bereisen gibt, die eher dem klassischen Mittelalter ähnelt. Beispiele hierfür wären die Conan-Geschichten, Song of Ice and Fire oder das Aventurien-DSA-Rollenspiel (obwohl es hierzu auch wieder seitenlang Diskussionen gibt). High Fantasy protzt eher mit fliegenden Stätten, mächtigen Zauberern, gottgleichen Helden, cthulhuiden Monstern und ähnlichem.

Ich begebe mich jetzt eine Runde auf´s sehr dünne Eis und übertrage diese Schema auf Science Fiction. Star Trek wäre vom Grad der Fantastik eher Low Science Fiction, während Star Wars High Science Fiction wäre (es ist ja fast Fantasy). Und ja: Ich lasse den Terminus Hard Science Fiction außen vor, da er in meinen Augen für das Perryversum weniger Relevanz hat, es ist natürlich Soft Science Fiction. Perry Rhodan spielt vor epischen Weiten, die es klar unter High Science Fiction einzuordnen wäre. In fünfzig Jahren ist einfach viel zu viel passiert, als das nur “kleine” Geschichten genügen würden.

Tech-Babble spielt eine große Rolle. Dies hätte ich nicht gedacht, aber was die einzelnen Wissenschaftler dort sagen, würde auch einem Gespräch zwischen Data und Geordi alle Ehre machen. Gut, Perry kann sowas in seiner Art sofort abtun und endet mit: Und wie lösen wir nun das Problem? Aber die Grundlage für das Science in Sci-Fi ist gelegt.

Manchen Charakteren merkt man schon mitunter die Entstehungen in der 1960ern an. Der Mausbiber Gucky [sic!] sieht auf Covern aus wie Micky Maus und ist sicherlich für Kinder als Zielgruppe geschaffen worden. Lese ich nun allerdings die aktuellen Heft-Roman, so muss ich sagen, dass Gucky klar als Bad Ass rüberkommt. Heute nie gedacht, dass ich das jemals über einen Mausbiber sagen würde. Ich hätte nie gedacht, dass ich überhaupt jemals etwas über einen Mausbiber schreiben würde, aber ok.

Die Charaktere wirken auf jeden Fall erwachsen, bleiben aber doch Science-Fiction-Helden genug, sodass sie auch einfach unterhalten können. Klar, wer kein SiFi-Geek ist, dem wird PR sowieso nicht zusagen. Aber die möchte ich auch gar nicht erreichen, sondern eher die vielen Nerds da draussen, die ständig nach neuem Material lechzen. Und sind wir mal ehrlich: Auf dem SciFi-Markt sieht es doch zur Zeit eher etwas dünn aus. Hier setze ich auch einfach mal Fernseh-Serien mit den Heften gleich.

Jede Woche bekommt man ein nettes Heftlein, dass schnell ausgelesen ist mit guten, klassischen Science-Fiction Geschichten. Zumindest für micht ist diese Form des Medien-Konsums ganz neu. Yeah, 2011! Entdecke das Lesen in Serienform! Früher trug ich die Vorurteile auch mit mir rum, wurde ganz schnell eines besseren belehrt. Ist doch auch mal was.

Also, wer einmal reinschnuppern will: Mit dem Heft 2600 ist ein neuer Zyklus gestartet. Dieses bekommt man als eBook (auch Kindle-Version) zum reinschnuppern umsonst. Muss allerdings sagen, dass dies eher eine Overtüre ist, 2601 fand ich deutlich besser. Mittlerweile sind wir bei Heft 2603. Wer nicht genug kriegen kann: In der fünften Auflage erscheinen auch stets ältere Zyklen, mit Heft 1500 hat hier auch wieder ein neuer gerade begonnen.

Samstag, 9. Juli 2011

Buchkritik: Metro 2033


von Dmitry Glukhovsky

Der Herr, der mir heute nahe der Bonner U-Bahn, in der Unterführung, meinen Tabak verkaufte, hatte einen russischen Akzent. Passend, dachte ich mir und erinnerte mich an meine Lektüre von “Metro 2033” erinnter. Nach dem eher unsäglichen “The Road” ist “Metro 2033” der zweite post-apokalyptische Roman, den ich innerhalb von kürzester Zeit gelesen habe. Und es ist mit Abstand der bessere.

Gut, eines vorneweg, praktisch als Disclaimer: “Metro 2033” ist gut gemachte Fantasy-Endzeit-Schreibe. Und ja, es kommen auch wieder Zombies vor oder jedenfalls so etwas ähnliches. Ist aber nicht so schlimm, dazu ist das Setting einfach zu ungewöhnlich.

Fast die gesamte Handlung findet unter schummrigen Notlicht im Moskauer Metro-Untergrund statt. Die angeblich beeindruckenste U-Bahn-Anlage der Welt ist der letzte Zuflucht der Moskauer-Bevölkerung nach einem atomaren Weltkrieg - so weit, so gewöhnlich. Hier entwickelt sich ein faszinierender Mikrokosmos, der die verschiedensten gesellschaftlichen Facetten auf engstem Raume darstellt.

Jede Station auf einer U-Bahn-Linie stellt einen kleinen Stadtstadt dar. Diese verschiedenen “Staaten” kämpfen um Einfluß, die raren Ressourcen, aber auch um die Seelen der Überlebenden. Die großen Ideologien des 20. Jahrhunderts haben sich in den Untergrund gerettet: Kommunisten, Faschisten und Kapitalisten tummeln sich in den engen Schächten genauso wie Sektierer, Satanisten oder Kannibalen. Gut, letztere Gruppe macht das eher weniger aus ideologischen Gründen, rein theoretisch, aber unter Tage ist alles anders.

In diese Welt wird der junge Erwachsene Artjom hineingeworfen, der vom mysteriösen Hunter den Auftrag erhält zur legendären Polis zu gelangen, um seine Station von den eindringenden “Schwarzen” - den Zombies - zu retten. Auf dem Weg dorthin kommt Artjom mit allen oben erwähnten Gruppen in Kontakt. Glukhovsky verwendet hier eine episodenhafte Erzählweise: Jede Station ist von einer anderen Gruppe bewohnt und kaum mit anderen verbunden. Ganz klar eine Reisegeschichte.

Diese Erzählweise wird nur aufgebrochen, wenn es die Dramaturgie erfordert. Der Leser fühlt sich dadurch nicht aus dem Takt gebracht. Trotzdem fühlt sich Welt der Metro unwirklich an, wirklich fantastisch. Mich beschlich immer der Eindruck, dass diese Welt - auch wenn die mutierten Kreaturen außen vorgelassen werden - einfach unmöglich ist. Aber Glukhovsky möchte nicht realistisch sein, er möchte sein Märchen von der Metro und der Apokalypse erzählen und dies gestaltet er spannend.

Die Enge wird zusätzlich durch den Detailreichtum der Erzählung deutlich: Durch das Setting wird der Blick ständig auf scheinbare Kleinigkeiten und Details gelenkt. Ähnlich wie die spärliche Beleuchtung in der Metro - wo Elektrizität ein Luxusgut darstellt -, werden immer nur kleine Ausschnitte beleuchtet, die dann aber um so wichtiger werden. An der einen Station mag das Hauptaugenmerk auf dem Pilztee liegen, 200 Meter weiter geht es nur um die Militäranlage. Trotzdem fühlt das Buch sich wie ein großes Ganzes an; Puzzleteile die passen.

Ein wenig Bereitschaft, die hervorscheinende Naivität zu akzeptieren, sollte der Leser allerdings mitbringen. Dann wird man allerdings gut unterhalten. Eine Empfehlung von mir. Ein wenig graut es mir aber davor, den zweiten Teil “Metro 2034” anzupacken. Der soll um einiges schlechter sein. Dabei endet das Buch doch jetzt mit einem gewaltigen Cliffhanger... Tja, man kann nicht alles haben.

PS: Den Shooter würde ich auch gerne spielen, wenn der nicht große Probleme mit ATI-Grafikkarten hätte. Es ist zum Mäusemelken!

Freitag, 8. Juli 2011

Google+ - Pour me another social network baby...

Google, verdammt! Wurde ja auch langsam mal Zeit. Ich weiß, es ist schon schwierig, auf Teufel komm raus genau das neue Ding zu landen, was wirklich neu ist. Da kannst du nicht einfach so mit Buzz um die Ecke kommen. Ja, ich weiß, das hat ganz toll innerhalb deines Headquarters funktioniert. Alle waren ganz heiß auf dieses Twitter, was kein Twitter war und nur über die GMail-Seite lief. Very convenient! Dann kam Buzz raus und jeder sah, dass es Mist war.

Google Wave, ja, das habe ich ja eigentlich gemocht. Zusammenarbeit mit anderen Menschen, ein wenig so wie Google Docs nur mit schön viel Chat und Unübersichtlichkeit. War ganz nett und konnte sich zumindest im Praxiseinsatz ein wenig erwehren. Jaha, für ein Buchprojekt kam es dann doch zum Einsatz, um die Arbeit mit Autoren zu koordinieren. Was blieb im Endeffekt? Hm, eigentlich die E-Mail. Ist dann doch einfacher.

Aber nun - frohlocket - ein neuer Killer ist unterwegs. Nein, kein iPhone- oder iPad-Killer. Diesmal ist Facebook dran! Das Zuckerberg-Network hat sich irgendwie in letzter Zeit bei vielen irgendwie unbeliebt gemacht. Der Status des Netzwerks kommt - zumindest bei der IT-Web 2.0-Über-Elite - den großen staatlichen Institutionen gleich: Wir sind alle beim Finanzamt und bei einer Krankenversicherung, aber wirklich leiden können wir sie nicht. Facebook wird zum notwendigen Übel des sozialen Zusammenlebens, wer sich dort nicht tummelt verpasst etwas, egal ob es um das Arbeitsumfeld - besonders in PR-, IT-Kreisen - oder gerade um freundschaftliche Verbindungen geht.

Das ist die grundsätzlich Stärke von Facebook: Alle sind da, Sachen können recht zuverlässig geplant werden, da die Einlog-Rate wirklich erstaunlich groß ist. Die meisten rufen Facebook wenigstens einmal am Tag auf. Facebook ist daher ein “Muss”, deswegen ist es natürlich uncool. Nun, google+ macht da natürlich direkt alles anders.

Denke ich an google+ in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht und dies hat auch einen guten Grund: Google, du hast es zu gut gemacht. Ich stehe auf das minimalistische Design, die leichte Einordnung von Kontakten in Circles, die Einbindung von Medien aus YouTube oder Picasa, die Stream-(Twitter-)Funktionalität. Alles sehr schön und professionell gestaltet. Allerdings ist Sinn und Zweck noch nicht ersichtlich.

Zur Zeit gibt sich google+ als professionelles, allerdings hohles Vehikel: Die Hülle ist da, allerdings fehlt noch die Essenz. Google hat + auf Hochglanz poliert, allerdings verpasst google+ ein wirkliches Profil zu geben. Der Dienst kann (potentiell) alles, aber wofür braucht der Nutzer diesen?

Ich muss ehrlich sagen: Ich weiß es nicht. Es ist ein Kunstwerk, dass ich mir als IT-Nerd gerne anschaue, genauso wie sich der Bild-affine Mensch an einer Austellung ergötzt. Die Essenz fehlt, aus der bspw. Facebook und Twitter geboren wurden, die sogar Apples Elends-Netzwerk Ping hat. Facebook ist für die Kommunikation, Twitter für´s Mitteilen und Ping für die Musik da und dies von Anfang an. Google+ ist wofür? Irgendwie für Alles wieder einmal.

Aber eigentlich möchte ich nicht noch ein Netzwerk haben, so schön es auch ist. Zur Zeit geistert das ominöse Wort vom Content-Provider durch´s Netz. Hier wird die Idee vor den Sinn gesetzt. Die große Idee vom Content-Akkumulator, der über RSS-Readern und allen anderen sozialen Netzwerken thront. Wird google+ das erfüllen? Möchte das Google überhaupt oder doch nur einen Facebook-Killer schaffen. Ich glauber eher an letzteres.

google+, du bist schön anzuschauen, ich mag dich, aber im Endeffekt verkaufst du auch nur Currywurst mit Pommes wie die alte Imbissbude, zu der allerdings alle gehen. Hey, aber vielleicht irre ich mich auch, aber ein soziales Netzwerk kann nicht nur aufgrund einer Negation überleben. Wird der Sinn heruntergebrochen, läuft alle auf den Punkt “Es ist nicht Facebook!” zu.

Gut wir sind in Deutschland, da ist die Negation einer Sache oftmals ein schaffender Grund, was ich eher traurig finde. Dagegen!

Buchkritik: The Road

von Cormac McCarthy



Ja, der alte Melancholiker McCarthy mal wieder - was hat er da nur gemacht. Den Meisten wird er nur indirekt durch einen Film bekannt sein, dem Coen-Brüder-Epos “No Country For Old Man”. Die Filmadaption ist sehr nahe an der Buchvorlage dran, besticht durch die fatalistische Grundstimmung, ängstigt den Zuschauer mit der puren Gewaltorgie, die sich auf der Leinwand abspielt. Gewalt und wie Sie Menschen verändert, ist immer ein zentrales Thema McCarthys. Stets scheint ein Charakter in psychotischer Art und Weise über allen anderen zun schweben, so in “No Country” der gnadenlose Killer und in seinem - noch nicht verfilmten - Westernopus “Blood Meridian” der Judge.

Dabei wirken diese Charaktere beinahe unmenschlich - abgetrennt von der normalen Grundbedingtheit, der jeder Mensch unterworfen ist. Dabei sind sie aber - nach Nietzsche - keine Übermenschen, denn in Ihrer Manie verwerfen sie jede schöpferische Kraft. Die Charaktere sind Tiere, Raubtiere, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dies fasziniert den Leser. Er wird weggezogen in eine Welt, in der es zwar kein Happy End gibt, aber in der puren Bahnbrechung der natürlichen Gewalt liegt eine kathartische Kraft, die selten anzutreffen ist. Und was in Bezug auf das Werk “The Road” wichtig ist: Es wird eine Geschichte erzählt.

“The Road” bricht mit vielen Grundbildern McCarthys. Eine Plot-Synopsis zu geben ist hierbei sehr einfach, ja, schon zu einfach:

Vater und Sohn in einer postapokalyptischen Welt, Atombomben-Holocaust, das übliche... Sie gehen die titelgebende Straße entlang, immer nach Süden, um dem Winter im nuklearen Winter zu entgehen. Die Welt ist tot. Wirklich tot. Außer einer handvoll anderer Menschen, treffen der namenlose Vater - einfach nur “man” genannt - und der namenlose Sohn nicht mal auf eine Kellerassel. Positiv bleibt hier anzumerken, dass einmal keine Zombies hinter der Ecke hervorluken, wie dies mittlerweile zum guten apokalyptischen Ton gehört. Von hier aus ist der Plot nur: Essen wo? Menschen, bös! Hunger!

Die Sprache ist und bleibt sehr geschliffen, wobei der Schreibstil sehr gewöhnungsbedürftig ist. Anführungszeichen sind dem Autoren ebenso fremd wie Kommata. Das erfordert mitunter die volle Aufmerksamkeit des Lesers. Geht ein Dialog über zwei Seiten, so ist Konzentration angesagt, sonst ist der Faden schnell verloren und es ist nicht klar, ob gerade Vater oder Sohn spricht. Was aber auch fast egal ist. Vielleicht ist es eine literarische Masche von McCarthy, aber die Dialoge sind sehr beliebig, monoton, langweilig. Positiv könnte angemerkt werden: Das ist alles sehr realistisch. Wow...

Realismus scheint in “The Road” oberste Priorität zu sein. Der Leser nimmt hautnah am Schicksal der beiden Hauptprotagoristen teil. Sie stehen auf, essen etwas, gehen ein paar Kilometer, suchen Nahrung, schlafen, haben Angst. Und das über 280 Seiten. Mehr passiert nicht. Als Psychogramm vielleicht ganz nett, aber es wird schnell dröge und langweilig. Während des Lesens überkommt einen stets der Eindruck, dass diese “Story” doch vielleicht besser in eine Kurzgeschichte gepasst hätte. Zum Ende hin blätterte ich die Seiten eher gequält um, ja, ich fühlte mich fast, als wäre ich auch “on the road” und müsste mitleiden.

Vielleicht wollte McCarthy genau das oder vielleicht nicht. Wer weiß.

Das Buch ist für Personen, die in einem fließenden Schwall an Worten der Melancholie und der Verzweiflung baden wollen, weniger Wert auf Charaktere, Plot und Spannung legen. Als das unvermeidlich Ende kam, dacht ich mir “So what?”. Eine Bindung war mir mit diesen Charakeren nicht möglich, den blöden Junge lernte ich sogar eher zu hassen.

Den 2009er Film habe ich noch nicht gesehen. Vielleicht ist das aber das richtige Format: Bildgewaltige, post-apokalyptische Landschaften können vielleicht über den Mangel an Geschichte wegtrösten. Das Buch kann ich nicht empfehlen. Wer McCarthy lesen möchten, dem empfehle ich eher “Blood Meridian”.

Freitag, 14. Mai 2010

Und wieder zurück zu Mac OS - Ja spinne ich denn?!?


Tja, wer hätte das gedacht: Vor einem Jahr noch ein Loblied auf Microsoft und Windows 7 angestimmt und derweil sitze ich nun an meinem Mac Mini, schreibe mit der Wireless-Tastatur von Apple und bewege Mauszeiger mit Magic Mouse. Und was soll ich dazu sagen? Ich mag es.

Aber warum der Gesinnungswandel? Eigentlich bin ich mittlerweile zu einer Zen-artigen Ruhe gekommen, was das Fanboytum angeht. Ja, der Verkauf meiner Seele an Google war eine gute Wahl und den bereue ich nicht. Allerdings habe ich auch Nichts gegen die zwei anderen großen Player einzuwinden, als da wären Apple und Microsoft. Die Mannen aus Cupertino schlagen zwar einen Weg ein, der mir persönlich nicht sonderlich gefällt, insbesondere was ihre App-Store-Politik angeht. Zudem stösst mir alles kultartige mittlerweile sauer auf und wenn Apple etwas liefern kann, dann eine Religion inklusive Messias. Aber: Diese Phrasen sind auch abgedroschen, kann man sich nicht einfach wieder auf das zentrale Thema zurückziehen und das ist einfach: Wer bringt gute IT-Produkte heraus.

Hier bin ich durchaus froh, dass Apple mit Google ein Konkurrent gedämmert hat, der in Sachen Usability und Kundenfreundlichkeit mithalten kann. Zwar vertreten die beiden Firmen durchaus unterschiedliche Philosophien, aber was für den Endnutzer hinten rauskommt, ist in beiden Fällen nicht schlecht. Also läuft jetzt auf meinem Mac OS 10.6 Google Chrome. Faire Angelegenheit, möchte man meinen.

Um im Hippie-Sprech zu bleiben: Mein kleiner lieber PC soll sich nicht grämen. Mit Windows 7 ist dieser eigentlich die rundere Angelegenheit. Die meiste Zeit werkele ich sowieso im Browser und da bietet mir Chrome auf beiden Plattformen alles, was ich brauche (dies gilt natürlich auch für Firefox-Nutzer). Zusätzlich kann ich allerdings noch meine Spiele zocken. Großer Pluspunkt für die Dose. Was ich früher nicht für möglich gehalten habe, ist nun auch wahr geworden: Ich vermisse mein iBook nicht mehr. Windows Vista auf einem Laptop ist bah, genauso wie XP. Mit 7 wurde das auch schlagartig anders.

Ja, warum dann nicht beim PC bleiben, besonders, da der Mac Mini ja eher eine Anschaffung aus beruflichen Gründen war und seit Januar diesen Jahres nicht einmal benutzt wurde. Tja, Abwechslung braucht der Mensch und da ist so ein kleiner Tapetenwechsel mal ganz nett. Zusätzlich wollte ich meinen neuen iPod Classic (das einzige wirklich konkurrenzlose Appleprodukt imho - eine Schande, dass Festplatten-MP3-Player ausgestorben sind) richtig einweihen und Hand auf Herz: iTunes ist auf PCs nicht ganz das Wahre. Ja, schreit nur "Mediamonkey!". Been there, done that... Ich mag das Programm nicht so sehr, auch wenn es von der Featureliste sogar mehr kann als iTunes.

Ein weiterer Vorteil: PC und Mini haben fast genau die gleiche Hardware. Mit 7 wurde der PC merklich schneller, allerdings ist Mac OS 10.6 einen Tick flüssiger. Es fühlt sich einfach besser an. Zudem: So ein Mac Mini ist leise, sehr leise.

Nur bei einem sollte man sich klar sein: Wo der Nutzer für Google seine Seele an den Anti-Privatsphärengott verkauft, so muss der Apple-User dem Preis-Leistungs-Heiligen abschwören. Ernsthaft nutzen kann man den Mini nur, wenn man sich eine externe Festplatte zulegt und ein Grafikadapter für 20 € ist sowieso Pflicht.

Wo sich das Geld gelohnt hat, war allerdings bei der Apple-eigenen Tastatur und Maus. Gefallen mir von Tag zu Tag immer besser. Also: Ich alter Aristoteliker lebe mal wieder in der IT-Mischverfassung. Politie for the win!

So long!